{"id":900,"date":"2021-04-15T12:58:01","date_gmt":"2021-04-15T12:58:01","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=900"},"modified":"2021-04-15T12:58:01","modified_gmt":"2021-04-15T12:58:01","slug":"nicht-alle-geheimnisse-gelueftet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=900","title":{"rendered":"Nicht alle Geheimnisse gel\u00fcftet"},"content":{"rendered":"\n<h2>Viola Rohner serviert mit \u201e42 Grad\u201c raffiniert kondensierte Lesekost<\/h2>\n<p class=\"rez\">Verg\u00e4nglichkeit kann auch ohne Melancholie erlebt und erz\u00e4hlt werden, das setzt sich als Eindruck bei der Lekt\u00fcre von\u00a0<i>42 Grad<\/i>\u00a0fest. Insgesamt neun Erz\u00e4hlungen umfasst der Band von Viola Rohner, aus deren Feder sogar die Schilderungen banaler Alltagsverrichtungen die Spannung nicht sinken lassen.<\/p>\n<p class=\"rez\">Den Auftakt macht ein Meerschweinchen, das der Verwesung \u00fcberlassen wird. Warum? Auch darauf kann man sich bei Rohner verlassen: Sie l\u00fcftet nicht jedes Geheimnis. Etliches darf der Leser respektive die Leserin f\u00fcr sich selbst dechiffrieren. F\u00fcnfmal wechselt die Erz\u00e4hl-Perspektive in dieser Geschichte, die von der Vereinzelung von Familienmitgliedern handelt, die dem Lauf der Dinge geschuldet ist. Vorhersehbar ist \u2013 wie auch in den anderen Geschichten \u2013 nichts.<!--more--><\/p>\n<p class=\"rez\">In die \u00fcbliche Oberfl\u00e4chlichkeit einer Halloween-Party taucht Melissa ein, als sie mit ihren beiden Kindern einer Einladung aus ihrer Nachbarschaft folgt. Allerdings beherrscht sie als neu Zugezogene die Landessprache nur mangelhaft. Durch ihre Augen verfolgen wir distanziert das Geschehen, das die Verbindungslosigkeit der fr\u00f6hlich plappernden G\u00e4ste raffiniert spiegelt. Bunt und sp\u00e4ter sogar ausgelassen geht es zu \u2013 konzipiert als muntere Tapete, die unterschwellige Vorurteile und die Bereitschaft zur Diskriminierung unterstreicht, indem sie sie zu kaschieren versucht.<\/p>\n<p class=\"rez\">Verbindungen und Verbindlichkeit, Eigenwilligkeit und Einsamkeit \u2013 damit sind die Protagonist*innen befasst. Im scheinbar Gleichbleibenden steckt bereits der Keim zum Richtungswechsel. Wodurch dieser \u201aausbricht\u2018 und wohin die Reise geht, ist jedes Mal aufs Neue fesselnd. Nicht immer ist ein Vorsatz erkennbar gewesen. F\u00fcr den Aus- oder Aufbruch kann eine unverhoffte M\u00f6glichkeit den Ausschlag geben. Und danach ist alles anders? Nein, was wankt, schaukelt sich auch wieder zurecht, manchmal auch in den angestammten Bahnen. Lesend genie\u00dft man ein Kondensat, das satt macht, ohne dass man den jeweils offenen Ausgang der Erz\u00e4hlsequenzen bedauert. Dank der n\u00fcchternen Sprache kann man sich Zeit lassen, den tieferen Schichten des Offenbarten nachzusp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"rez\">Viola Rohner,\u00a0geboren 1962, entbl\u00e4ttert gekonnt Schicksale, die in Erinnerung bleiben. Dazu ben\u00f6tigt sie nichts Spektakul\u00e4res \u2013 weder bei den Schaupl\u00e4tzen noch bei den Handlungen. Diese k\u00f6nnten freilich nicht vielf\u00e4ltiger angelegt sein. Unter anderem werden wir nach Schottland, Moskau und Australien entf\u00fchrt. Die Autorin selbst hat l\u00e4ngere Zeit in D\u00e4nemark und in den USA gelebt.<\/p>\n<p>Viola Rohner: 42 Grad. Erz\u00e4hlungen.<br \/>Lenos Verlag, Basel 2018.<br \/>228 Seiten, 22,00 EUR.<br \/>ISBN-13: 9783857874888<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viola Rohner serviert mit \u201e42 Grad\u201c raffiniert kondensierte Lesekost Verg\u00e4nglichkeit kann auch ohne Melancholie erlebt und erz\u00e4hlt werden, das setzt sich als Eindruck bei der Lekt\u00fcre von\u00a042 Grad\u00a0fest. Insgesamt neun Erz\u00e4hlungen umfasst der Band von Viola Rohner, aus deren Feder sogar die Schilderungen banaler Alltagsverrichtungen die Spannung nicht sinken lassen. 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