{"id":504,"date":"2018-02-19T19:55:27","date_gmt":"2018-02-19T19:55:27","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=504"},"modified":"2019-02-19T19:56:42","modified_gmt":"2019-02-19T19:56:42","slug":"vom-luxus-ausgesuchte-zu-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=504","title":{"rendered":"Vom Luxus, Ausgesuchte zu treffen"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">Mit \u201eF\u00fcr eine Nacht oder f\u00fcrs ganze Leben\u201c ist Ursula M\u00e4rz der Liebesanbahnung auf der Spur<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Von Renate Schauer<\/p>\n<p>Sich eine \u201ebessere H\u00e4lfte\u201c anzulachen, kann ganz sch\u00f6n anstrengend sein. Warum sich also nicht helfen lassen? Daf\u00fcr gibt es Agenturen oder Partnerb\u00f6rsen im Internet. Wenn bei Verabredungen die Chemie stimmt, hei\u00dft das jedoch noch lange nicht, dass der ersehnte Funke \u00fcberspringt beziehungsweise sich eine Verbindung \u201eF\u00fcr eine Nacht oder f\u00fcrs ganze Leben\u201c anbahnt. Von f\u00fcnf Dates unter dieser Spannung erz\u00e4hlt Ursula M\u00e4rz in ihrem Buch mit diesem Titel.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDa ist zum Beispiel Manfred H\u00fcgel, der mit Ursula M\u00e4rz auf dem Karlsruher Flughafen f\u00fcr einige Stunden unfreiwillig festsitzt. Das Ambiente passt zu seiner Erz\u00e4hlweise. Anheimelnd ist anders. M\u00e4rz findet treffende Worte daf\u00fcr. Sie nimmt den Leser an die Hand, der sich ihrer F\u00fchrung durch Erlebnisse, Stimmungen, Analysen anvertrauen darf. Die Autorin ist immer pr\u00e4sent, was sie auch erfragt oder ungefragt erf\u00e4hrt. Darauf ist Verlass. Sie nutzt \u00fcberdies eigene Erfahrungen, Ansichten und Reflexionen, um den Dates Tiefensch\u00e4rfe zu verleihen.<\/p>\n<p>Ingenieur H\u00fcgel genie\u00dft ihre Neugier und geh\u00f6rt wie Ursula M\u00e4rz zu jenen \u201eumtrainierten Sch\u00fcchternen, bei denen niemand auf die Idee kommt, sie f\u00fcr sch\u00fcchtern zu halten [\u2026] au\u00dfer den Schicksalsgef\u00e4hrten\u201c. Bis er Olivia trifft, ist er fest davon \u00fcberzeugt, dass Frauen \u00fcber 60 Kilo f\u00fcr ihn nicht zutr\u00e4glich sind. F\u00fcr vier Jahre \u201eDarf\u2019s ein bisschen mehr sein\u201c, wie die Kapitel\u00fcberschrift verr\u00e4t. Eine Seitensprung-Aff\u00e4re, deren unkonventionelle Note \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Ganz anders die weiteren vier Dates \u2013 eine pensionierte Post-Angestellte \u201emit Anspruch\u201c l\u00e4sst sich auf einen j\u00fcngeren Mann ein; ein Internist Ende 30, dessen Vorliebe dem \u201eMan\u00f6vrieren gegen die Eindeutigkeit\u201c geh\u00f6rt; eine beeindruckende Liebe zu einem Kubaner, nicht ohne Hindernisse, aber offenbar mit g\u00fcnstiger Prognose; Impressionen einer Single-Party, bei der ein Lulatsch die Autorin als \u201eGespr\u00e4chsstatistin\u201c benutzt, um \u201evon der Insel der stummen, verlorenen Partyzaung\u00e4ste [\u2026] zum Festland konformer Geselligkeit\u201c zu gelangen.<\/p>\n<p>Die Literaturkritikerin Ursula M\u00e4rz tritt als sechste Person in ihrem Buch auf. Sie wollte zun\u00e4chst ein Sachbuch schreiben, wozu sie sich selbst probeweise in mehrere Single-B\u00f6rsen eingeloggt hat, wie sie am 17.9.2015 in einem Interview im Bayerischen Fernsehen berichtete. Hier gesteht sie auch, dass sie die \u201eWahrhaftigste\u201c in ihrem Buch ist, w\u00e4hrend die anderen Figuren nicht unbedingt in der Wirklichkeit existieren: \u201eEs ist nicht gesagt, dass es nicht \u201aFiktion\u2018 ist.\u201c<\/p>\n<p>Als authentische Erz\u00e4hlerin flicht sie ihren Blickwinkel mehrfach in jede Episode so ein, dass es kontrastierend, unterstreichend oder erkl\u00e4rend wirkt. Es gelingt ihr, Pr\u00e4gungen zu vergegenw\u00e4rtigen, f\u00fcr Barrieren in der eigenen Vorstellungswelt zu sensibilisieren, viele Schattierungen ihrer Fl\u00fcchtigkeit zu entrei\u00dfen. Sie entbl\u00e4ttert die Figuren auf kritische, aber diskrete Weise. Gerade das Irritierende interessiert sie \u2013 und der Prozess zwischen Zweifel und Stimmigkeit. Neugier und Anteilnahme pr\u00e4gen das journalistische Unterfangen, mit fiktiven Elementen, essayistischen Reflexionen und Selbstausk\u00fcnften die Balance zwischen Freiheit, Ratlosigkeit und Klarheit bei der Liebessuche auszuloten.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ursula M\u00e4rz: F\u00fcr eine Nacht oder f\u00fcrs ganze Leben. F\u00fcnf Dates.<br \/>\nCarl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2015.<br \/>\n228 Seiten, 19,90 EUR.<br \/>\nISBN-13: 9783446249073<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit \u201eF\u00fcr eine Nacht oder f\u00fcrs ganze Leben\u201c ist Ursula M\u00e4rz der Liebesanbahnung auf der Spur Von Renate Schauer Sich eine \u201ebessere H\u00e4lfte\u201c anzulachen, kann ganz sch\u00f6n anstrengend sein. Warum sich also nicht helfen lassen? Daf\u00fcr gibt es Agenturen oder Partnerb\u00f6rsen im Internet. 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