{"id":488,"date":"2018-02-19T19:39:28","date_gmt":"2018-02-19T19:39:28","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=488"},"modified":"2019-02-19T19:41:33","modified_gmt":"2019-02-19T19:41:33","slug":"am-meer-den-untergang-herbeitraeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=488","title":{"rendered":"Am Meer den Untergang herbeitr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">J\u00f6rg W. Gronius rechnet in seinem Briefroman \u201eLast Call\u201c mit der Welt ab<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Von Renate Schauer<\/p>\n<p>Ziemlich erfolgreich muss der Kom\u00f6dien-Autor Bruno gewesen sein, denn er kann von seinen Tantiemen auf einer kleinen Insel im Mittelmeerraum leben und in aller Ruhe die Widrigkeiten der Welt reflektieren. Adressat seiner Eindr\u00fccke und Gedanken ist sein Freund Richard. J\u00f6rg W. Gronius legt mit \u201eLast Call\u201c einen monoperspektivischen Briefroman vor, bei dem wir seinem Protagonisten von April 2009 bis August 2011 \u00fcber die Schulter und ins Gem\u00fct schauen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>\u201eIch wache keinen Morgen auf, ohne &#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nan den Tod zu denken.\u201c Dieser Satz gibt im ersten Brief schon das Thema vor, um das sich vieles rankt. Weg von der B\u00fchne, vom Rampenlicht samt gesellschaftlichem Trubel, herausgestohlen aus allen Verbindungen, sucht der Blick das Wesentliche und nimmt Missst\u00e4nde wie Widerspr\u00fcche auf die Schippe, immer wohl gesetzt an jener Miesepetrigkeit vorbei, die Bruno in Deutschland hinter sich gelassen hat.<\/p>\n<p>Es dauert ein paar Kapitel, bevor man dem Reiz der Enth\u00fcllungen vertrauen mag. Denn Bruno denkt selbstverst\u00e4ndlich auch \u201ean den Tod all dessen, was von unserer Kultur noch \u00fcbrig ist.\u201c Wird hier Nihilismus zelebriert, der sich ins Allgemeine verlieren k\u00f6nnte? Das wei\u00df J\u00f6rg W. Gronius, der unter anderem als Dramaturg t\u00e4tig war und 2007 den Ben-Witter-Preis erhielt, geschickt zu umgehen. Gott sei Dank gibt es auch keine aufgeblasene Erregung \u00fcber Unab\u00e4nderliches, wohl aber Zorn und Spott. Kritik vollzieht sich meist leise, wenn auch nicht immer politisch korrekt. Die Melodie des Romans bleibt heiter-betr\u00fcbt. Diese Kombination ist unterhaltsam bis zum Ende.<\/p>\n<p>Viele Menschen sterben in dem Roman \u2013 Brunos Vater, gesch\u00e4tzte Weggef\u00e4hrten, Menschen auf der Insel. Das Leben ist endlich, dem Prinzip \u201eStirb und werde\u201c entkommt niemand. Das macht traurig, hat jedoch gleichzeitig etwas Beruhigendes. Und Bruno, der anfangs nach Kriegsschiffen Ausschau h\u00e4lt, korrigiert sich im November 2010: \u201eDer Untergang wird sich doch etwas anders vollziehen, als ich es mir zun\u00e4chst vorgestellt hatte.\u201c Trotzdem blickt er weiterhin aufs Meer und l\u00e4sst das s\u00fcdliche Flair in seine Mitteilungen an Richard mit einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wasser und Wellen inspirieren zu anschaulicher Poesie: \u201eWenn die flach auflaufenden Wellen meine F\u00fc\u00dfe umsp\u00fclen, ist das Meer wie ein Erz\u00e4hler, der den Unterarm des Zuh\u00f6rers ergreift, um bei ihm noch intensivere Aufmerksamkeit zu wecken.\u201c Als Kontrast ern\u00fcchtern hingegen die Reisen nach Deutschland. St\u00e4rkster Gegenpol ist der Vater. Er konnte verh\u00f6hnen: \u201eJunge, du siehst aus wie eine Flasche. Hast keine Schultern.\u201c Damit war klar, Bruno w\u00fcrde nichts schultern k\u00f6nnen. Der alte Konflikt zwischen Hand- und Kopfarbeitern wird treffend beschrieben. Als neu erlebt Bruno, der angeblich Nutzlose, dass ihm sein Vater fehlt und immer wieder nahe kommt nach seinem Tod.<\/p>\n<p>Bruno, der \u00fcber Abschied und Vergehen philosophiert, kann letztlich die selbstgew\u00e4hlte Einsamkeit der Insel und die Gem\u00e4chlichkeit des Mittelmeeres gegen einen neuen Lebensabschnitt am rauhen Atlantik eintauschen. Obwohl er meint, dass M\u00e4nner eigentlich im Grunde ihres Herzens immer bleiben wollen, denn der \u201eLast Call\u201c im Flughafen gilt nach seinen Erfahrungen ganz selten einer Frau. Zum Aufbrechen geh\u00f6rt das Loslassen, das angesichts des Verlusts von Weggef\u00e4hrten ge\u00fcbt werden muss. Gronius erw\u00e4hnt unter anderem namhafte Kulturschaffende, die zwischen 2009 und 2011 betrauert werden mussten und widmet sein Buch in memoriam Roland Buhles, dem Mitbegr\u00fcnder und Verleger des Conte Verlages.<\/p>\n<p>J\u00f6rg W. Gronius: Last Call. Ein Roman in Briefen.<br \/>\nConte-Verlag, St. Ingbert 2013, 288 Seiten, 19,90 EUR. ISBN-13: 9783941657816<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00f6rg W. Gronius rechnet in seinem Briefroman \u201eLast Call\u201c mit der Welt ab Von Renate Schauer Ziemlich erfolgreich muss der Kom\u00f6dien-Autor Bruno gewesen sein, denn er kann von seinen Tantiemen auf einer kleinen Insel im Mittelmeerraum leben und in aller Ruhe die Widrigkeiten der Welt reflektieren. Adressat seiner Eindr\u00fccke und Gedanken ist sein Freund Richard. 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