{"id":462,"date":"2018-02-19T17:20:21","date_gmt":"2018-02-19T17:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=462"},"modified":"2019-02-19T17:21:34","modified_gmt":"2019-02-19T17:21:34","slug":"den-journalismus-plagen-glaubwuerdigkeits-und-finanzierungsfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=462","title":{"rendered":"Den Journalismus plagen Glaubw\u00fcrdigkeits- und Finanzierungsfragen"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">&#8222;Journalismus nach der Krise&#8220; lotet Unsch\u00e4rfen, Untiefen und Ungereimtheiten aus<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Von Renate Schauer<\/p>\n<p>Viel ist in den letzen 20 Jahren dar\u00fcber geklagt worden, dass das System Journalismus in ho-hem Ma\u00dfe reformresistent sei. Zu sehr hielten seine Vertreter an veralteten Ritualen fest, um sich gegen Begehrlichkeiten zu sch\u00fctzen, mit denen sie tagt\u00e4glich konfrontiert werden. Gleichzeitig wuchs die Debatte um Qualit\u00e4tssicherung im Journalismus, ohne dass deren Auswirkungen die Rezipienten bei der Stange hielten. Sie konnten und k\u00f6nnen sich anderswo offenbar leichter oder besser bedienen als bei den althergebrachten Zeitungen, denen zuvor schon Werbekunden Budget entzogen hatten. Dazu kommt, dass viele gute Journalisten in die PR-Branche abwandern, oft um einer angemessenen Bezahlung willen. Festangestellte Redak-teure zittern neuerdings vor den Rationalisierungsma\u00dfnahmen der Manager; Freiberufler sehen sich schrumpfenden Honoraren und anderen Widrigkeiten gegen\u00fcber. Vor diesem Hinter-grund befragten zwei junge Insider 22 Chefredakteure und Medienexperten zu &#8222;Journalismus nach der Krise &#8211; Aufbruch oder Ausverkauf?&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n&#8222;Seit wir beschlossen haben, Journalisten zu werden, ist Krise&#8220;, so das Autoren-Duo Anne Kunze (Jahrgang 1981) und Felix Rohrbeck (Jahrgang 1980) in seiner Einleitung. Und: &#8222;Tat-s\u00e4chlich scheint das Gesch\u00e4ftsmodell des Journalismus nicht mehr aufzugehen.&#8220; Damit dies die Gesellschaft nicht kalt erwischt, weil es etwa unliebsame Folgen f\u00fcr die Demokratief\u00e4hig-keit jedes Einzelnen haben k\u00f6nnte, &#8222;braucht es eine (&#8230;) Diskussion dar\u00fcber, was Journalismus leisten soll &#8211; und welcher Voraussetzungen es bedarf, dass er diese Leistung auch zu erbringen vermag.&#8220; So Jesco Kreft in seinem Vorwort, mit dem er begr\u00fcndet, warum die Stiftung Wertevolle Zukunft (deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer er ist) dieses Buchprojekt unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n<p>Das Wunder, dass es etwas gratis gibt, obwohl es etwas wert ist, zieht im Internet viele Men-schen auf die Seiten mit journalistischen Dienstleistungen. Dass k\u00fcnftig f\u00fcr Klicks bezahlt werden muss, steht in der Branche au\u00dfer Zweifel. Aber auch \u00fcber Stiftungen zur Finanzierung von Hintergrundberichten mit hohem Rechercheaufwand wird nachgedacht. M\u00e4zenatentum, das bei Oper, Theater und anderswo l\u00e4ngst Usus ist, k\u00f6nnte journalistische Qualit\u00e4t absichern helfen. Heribert Prantl von der S\u00fcddeutschen Zeitung verlangt gar h\u00f6here Preise f\u00fcr die Print-ausgabe seines Blattes &#8211; bis zu 3,50 Euro kann er sich vorstellen. Die taz h\u00e4lt sich dank ihres Genossenschaftsmodells \u00fcber Wasser, die Zeit mittels Querfinanzierung (25 Prozent; unter anderem Lexika und Reisen).<\/p>\n<p>Dass die Arbeitsbedingungen Einfluss auf journalistische Arbeit nehmen, ist so unstrittig wie der Punkt, dass mit journalistischen Produkten Geld verdient werden muss, damit ein Medi-enunternehmen sich langfristig am Markt behaupten kann. So mutet es merkw\u00fcrdig an, dass Giovanni Di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, angesprochen auf die niedrigen Honorare seines Blattes, sagt, das es &#8222;eher eine Investition in sich selbst&#8220; darstellt, wenn freie Journalisten f\u00fcr die Zeit arbeiten, um gleich darauf den Spa\u00dffaktor hochzujubeln und seine Gl\u00fccksgef\u00fchle nach getaner Arbeit exemplarisch zum Besten zu geben. Und dies trotz seiner Auffassung: &#8222;Wer in der Krise an den Redaktionen spart, denkt also sehr kurzfristig.&#8220;<\/p>\n<p>Dass mit mindestens zweierlei Ma\u00df in der Branche gemessen wird, f\u00fchrt unweigerlich zur Frage der Glaubw\u00fcrdigkeit, die nicht zuletzt mit den Pers\u00f6nlichkeiten in diesem Beruf ver-kn\u00fcpft ist. &#8222;An die Stelle einer echten Haltung ist im Journalismus eine aufgeregte Emp\u00f6rtheit getreten&#8220;, bem\u00e4ngelt der ehemalige ARD-Korrespondent Hans-J\u00fcrgen B\u00f6rner. Ihn st\u00f6rt das Aalglatte an dem Beruf, das Fehlen von Neugier, Gerechtigkeitsempfinden und Ver\u00e4nde-rungswille, was er als &#8222;Grundtugenden&#8220; auslobt. &#8222;Selbstl\u00fcgen des \u00f6ffentlich-rechtlichen Sys-tems&#8220; vergegenw\u00e4rtigt Volker Lilienthal, der \u00fcber seine Recherchen um den Schleichwerbe-skandal in der Sendung Marienhof Auskunft gibt. Er tritt f\u00fcr eine &#8222;Inhaltsoffensive&#8220; ein, denn: &#8222;Man kann auch im Seichten ertrinken.&#8220;<\/p>\n<p>Der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg hat schon 1985 davor gewarnt, dass dank neuer Technik das Monopol des Journalismus verloren gehen k\u00f6nnte. Hierzu passt der Vorwurf von Mercedes Bunz, einst Chefredakteurin bei tagesspiegel.de und inzwischen Online-Journalistin beim Guardian in London: &#8222;Es wird (&#8230;) zu wenig kreativ gedacht und probiert.&#8220; Es werde k\u00fcnftig jede Menge Fachpersonal gebraucht, das &#8222;Texte f\u00fcr Medienkan\u00e4le optimiert, um den Journalismus effektiver zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>Damit sind wir wieder bei der Schwerf\u00e4lligkeit der Medien und ihrer Macher angelangt. Junge Menschen ziehen die Konsequenzen daraus. &#8222;Wozu Zeitung?&#8220; ist das Interview mit einer 18-J\u00e4hrigen \u00fcberschrieben, deren Drang nach neuen Nachrichten zwar gro\u00df ist, die aber erst Geld f\u00fcr Journalismus ausgeben w\u00fcrde, wenn man auf einem transportablen kleinen Bildschirm Zeitung lesen k\u00f6nnte &#8211; auch in Bus und Bahn, wo es ihr heute zu umst\u00e4ndlich ist, eine Zeitung aufzufalten. Sie informiert sich via Fernsehen und Internet, twittert und chattet, liest Blogs und will \u00fcber das Internet auch Einkommen erzielen.<\/p>\n<p>Es kommen also nicht nur &#8222;die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen&#8220; zu Wort, sondern das Spektrum ist breit gef\u00e4chert und bietet auch Platz f\u00fcr interessante Ausrei\u00dfer. Deshalb sind diesem Buch viele Leserinnen und Leser zu w\u00fcnschen Es gestattet einige Blicke hinter die Kulissen und ist dank etlicher Kontraste spannend. Nicht zuletzt regt es zum Nachdenken \u00fcber inspirierende Einsch\u00e4tzungen und Ideen an und l\u00e4sst vielleicht das Bed\u00fcrfnis nach mehr Berichterstattung \u00fcber die Medien wachsen.<\/p>\n<p>Felix Rohrbeck \/ Anne Kunze. Journalismus nach der Krise Aufbruch oder Ausverkauf? . Verlag Halem, edititon medienpraxis, 2010, 232 S., Broschur, 190 x 120 mm, 16,00 \u20ac, ISBN 978-3-86962-009-1<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Journalismus nach der Krise&#8220; lotet Unsch\u00e4rfen, Untiefen und Ungereimtheiten aus Von Renate Schauer Viel ist in den letzen 20 Jahren dar\u00fcber geklagt worden, dass das System Journalismus in ho-hem Ma\u00dfe reformresistent sei. Zu sehr hielten seine Vertreter an veralteten Ritualen fest, um sich gegen Begehrlichkeiten zu sch\u00fctzen, mit denen sie tagt\u00e4glich konfrontiert werden. 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