{"id":339,"date":"2018-02-19T13:56:45","date_gmt":"2018-02-19T13:56:45","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=339"},"modified":"2019-02-19T16:58:08","modified_gmt":"2019-02-19T16:58:08","slug":"florida-ein-prosit-der-gemuetlichkeit-kommt-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=339","title":{"rendered":"Florida: Ein Prosit der Gem\u00fctlichkeit kommt an"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<p class=\"link09\">Zu Weihnachten nach Florida? Immer noch r\u00fcmpfen manche Zeitgenossen hierzulande die Nase, weil es ihnen &#8222;unnat\u00fcrlich&#8220; erscheint, den Winterpelz gegen Strand-Shorts zu tauschen und dem Schneeschippen zu entkommen. Nach Florida zum Oktoberfest? Konfrontiert man damit einen Nichteingeweihten, purzeln erst recht viele Fragezeichen aus seinen Augen.<\/p>\n<p class=\"link09\">Dabei sind Oktoberfeste in Florida weit verbreitet und haben mancherorts sogar Tradition! So feierte der Deutsch-Amerikanische Club (GASC) heuer sein 20. Oktoberfest: &#8222;Munich in Cape Coral&#8220; titelte die vereinseigene Fest-Zeitung und betont: &#8222;The music never stops in the Great Tent&#8220; (durchgehend Musik im gro\u00dfen Zelt).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"link09\">Apropos Zelt: dar\u00fcber behielten die Fest-Organisatoren letztlich nicht die Regie. Die riss Wilma an sich, als sie quer \u00fcbers Land nach Miami zog. Das Zelt &#8211; vom Hurrikan verweht &#8211; fehlte am 2. Fest-Wochenende, doch dank des sch\u00f6nen Wetters wurde dieses trotzdem ein Erfolg. Irgendwelche Blessuren? Die Stadtkapelle Gundelfinden, die mit 34 Musikerinnen und Musikern angereist war, um deutsche Stimmung so originalgetreu wie m\u00f6glich zu verbreiten, nahm die geringf\u00fcgigen Beeintr\u00e4chtigungen gelassen. Zwei Tage habe im Quartier der Strom gefehlt, aber man hatte vorher rechtzeitig Eis beschaffen k\u00f6nnen. Und solange die Toilettensp\u00fclung nicht funktionierte, behalf man sich eben mit Wasser, das man mit Eimern aus dem Swimmingpool sch\u00f6pfte. Beschwichtigende Gesten verrieten: alles halb so schlimm, kein Grund zur Besorgnis oder gar zu Schreckensmeldungen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/journalismus-und-mehr.com\/bilder\/florida01.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"link09\">Die gute Laune schien jedenfalls niemandem verdorben &#8211; nicht den Akteuren und auch nicht den Besuchern. Die str\u00f6mten am zweiten Festwochenende in Scharen herbei! Dabei machten schon die Ank\u00f6mmlinge mit dem Organisationstalent des Clubs Bekanntschaft: Sie wurden auf dem gro\u00dfen Areal in Ruhe und Gelassenheit zu den Parkpl\u00e4tzen geleitet. F\u00fcr G\u00e4ste mit Gehbehinderungen gab es selbstverst\u00e4ndlich freie Fahrt bis vors Eingangstor. F\u00fcrsorgliches Miteinander lag in der Luft. Und nat\u00fcrlich &#8222;Gem\u00fctlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p class=\"link09\">Dieses Wort bedarf bekanntlich in Amerika keiner \u00dcbersetzung, ebenso wie &#8222;Sauerkraut&#8220;, das hervorragend mundete. Dazu passt, dass sich Evergreens wie &#8222;Die kleine Kneipe&#8220; und der Stimmungklassiker &#8222;Chicken Dance&#8220; (Ententanz) gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen. Die Gundelfinger Musiker, insgesamt mehr als 30 Stunden im Einsatz, registrierten sogar eine neue Aufgeschlossenheit: &#8222;Im Gegensatz zu fr\u00fcheren USA-Gastspielen werden nun auch neue deutsche Blasmusikkompositionen wohlwollend vom Publikum aufgenommen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"link09\">Bei weitem sind nicht alle, die das Oktoberfest gut finden, deutschst\u00e4mmig oder deutschsprachig. Auch wenn man geh\u00e4uft (Filz-) H\u00fcte mich Federschmuck trifft und der Gaudi wegen auch vereinzelt Pickelhauben aus Kunststoff aufgesetzt werden. Die beiden Amerikanerinnen am Tisch, die gerne lebhaft im Takt mitklatschten, meinten, ihnen gefalle es so gut, dass sie jedes Jahr k\u00e4men, obwohl sie kein Deutsch verst\u00fcnden. Und bald drehten sie miteinander auf der Tanzfl\u00e4che einige Runden. Tanzen ist hier eine Bewegungsart, in die ganz locker \u00fcbergewechselt wird. Hat man Lust auf Drehung und Schwung, wird einfach mitgemacht.<\/p>\n<p class=\"link09\">Das war auch in Oldsmar, nahe Tampa, zu beobachten. Auch hier str\u00f6mten die Festfreudigen in Scharen, bezahlten ihren Eintritt &#8211; bereit, sich deutscher Kost und deutschen Unterhaltungsritualen zu \u00fcberlassen. Auch hier gab es immer wieder das &#8222;Prosit der Gem\u00fctlichkeit&#8220; und beim &#8222;Zickezacke zickezacke &#8211; heuheuheu&#8220; usw. stand Wohlwollen in den Gesichtern. Schuhplattler wurden genau so mit Applaus goutiert wie holzs\u00e4gende Maiden. W\u00fcrstchen und Kartoffelsalat fanden Zuspruch wie auch der Rummelplatz mit allerlei Fahrgesch\u00e4ften nebenan. &#8222;Sie kommen aus Deutschland?&#8220; Das Erstaunen dar\u00fcber hielt sich in Grenzen, gleichwohl kannte jede und jeder jemanden aus M\u00fcnchen, Mannheim oder oberhalb der Mainlinie. Wie in Cape Coral spielten Herkunft und Sprache keine Rolle &#8211; Hauptsache, die &#8222;Gem\u00fctlichkeit&#8220; spiegelte sich positiv wieder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/journalismus-und-mehr.com\/bilder\/florida02.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"link09\">Der deutsche Club in Oldsmar bot auch Nichtmitgliedern Beteiligungsm\u00f6glichkeit mit einem Stand. Bei Gaudi-Festen in Deutschland darf man Wurf-, Schie\u00df-, Gl\u00fccks- und Fressbuden erwarten, hier aber waren die unterschiedlichsten Anbieter &#8211; vom Klamottenh\u00e4ndler \u00fcber K\u00fcnstler bis hin zur Fluggesellschaft (sogar ein H\u00f6rger\u00e4te-Spezialist war dabei) &#8211; vertreten. Eine kleine und muntere Gesellschaft, darunter die Deutsche Funksendung, die es seit 40 Jahren in Tampa gibt. Seit 1965 werden jeden Sonntag zwischen 13 und 14 Uhr Nachrichten, Musik, Interviews und Kulturtipps in deutscher Sprache verbreitet. Susanne Nielsen, die Chefin der &#8222;German Radio Show&#8220;, bekommt viele R\u00fcckmeldungen von ihrer Fan-Gemeinde und ist nat\u00fcrlich immer am Ball, wenn es um Bed\u00fcrfnisse und das Lebensgef\u00fchl Deutscher bzw. Deutschst\u00e4mmiger in Florida geht.<\/p>\n<p class=\"link09\">Laut Burkhard Linke \/ Enterprise Florida Germany in M\u00fcnchen leben ungef\u00e4hr 100.000 Deutsche mit festem Wohnsitz in Florida. Und trotz der gef\u00fcrchteten Hurrikans kommen auch immer mehr Touristen nach in den Sunshine State &#8211; 2004 waren es allein 265.000 aus Deutschland (17,8 Prozent mehr als 2003).<\/p>\n<p class=\"link09\">Harold Bajusz, Pr\u00e4sident des GASC (976 Mitglieder, noch 40 Prozent sprechen deutsch), best\u00e4tigt die Beliebtheit deutscher Feste. An Fasching gibt es in Cape Coral einen Prinzenball, im Fr\u00fchjahr Gartenfeste, der Deutsch-Amerikanische Tag wird am 6. Oktober gefeiert. W\u00e4hrend die \u00c4lteren Club-Mitglieder in den 50er Jahren ausgewandert sind &#8211; in Deutschland war damals nicht leicht Arbeit zu finden &#8211; , gibt es auch junge Zugezogene. Ein gutes Beispiel ist die Ms. Oktoberfest 2005, Christina Kaiser-Bryant, 21. Sie ist in M\u00fcnchen geboren und aufgewachsen. Als sie 14 Jahre war, ging sie mit ihrer Mutter nach Cape Coral. Der Zeitschrift &#8222;Florida Sun&#8220; erkl\u00e4rte sie: &#8222;Deutschland wird immer meine Heimat bleiben, obwohl ich nie wieder dort war. Trotzdem denke und f\u00fchle ich wohl sehr deutsch.&#8220;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Weihnachten nach Florida? Immer noch r\u00fcmpfen manche Zeitgenossen hierzulande die Nase, weil es ihnen &#8222;unnat\u00fcrlich&#8220; erscheint, den Winterpelz gegen Strand-Shorts zu tauschen und dem Schneeschippen zu entkommen. Nach Florida zum Oktoberfest? Konfrontiert man damit einen Nichteingeweihten, purzeln erst recht viele Fragezeichen aus seinen Augen. 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