{"id":273,"date":"2017-02-19T12:08:25","date_gmt":"2017-02-19T12:08:25","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=273"},"modified":"2019-02-19T12:13:26","modified_gmt":"2019-02-19T12:13:26","slug":"verdraengen-belastet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=273","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngen belastet"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">Das Leben der Monika G\u00f6th<\/div>\n<div class=\"tippstext\">\n<p>Von Renate Schauer<\/p>\n<p>lieben wollen, obwohl man ihn nie kennen gelernt hat. Noch dazu einen Vater, der unfassbare Verbrechen beging, daf\u00fcr 1946 verurteilt und geh\u00e4ngt wurde. Doch da war ja auch die Mutter, die sich nachtr\u00e4glich (!) mit ihm \u201everm\u00e4hlen\u201c lie\u00df, als bereits feststand, dass mit seinem Namen vor allem Schmach zu erwarten war. Die Rede ist von Ruth Irene Kalder und von ihrer Tochter Monika G\u00f6th, 1945 geboren.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Matthias Kessler interviewte die Tochter des Kommandanten des Arbeitslagers Plaszow bei Krakau, bekannt geworden durch den Kino-Film \u201eSchindlers Liste\u201c. Kein Buch hat je ehrlicher auf mich gewirkt. Es behandelt ein drastisches deutsches Schicksal ohne auch nur ein H\u00e4rchen voyeuristisch zu sein. Selbstverst\u00e4ndlich enth\u00fcllt sich darin nicht, warum der Vater so war, wie er offenbar gewesen ist. Oder was letztlich die Mutter wirklich an ihn band. Aber solche intimen Dinge enth\u00fcllen sich gew\u00f6hnlich selten. (Oft genug auch dann nicht, wenn die Betroffenen sich selbst Rechenschaft dar\u00fcber ablegen\u00a0<i>wollen<\/i>.)<\/p>\n<p>Amon G\u00f6th soll 500 Juden eigenh\u00e4ndig erschossen haben. Monika ist seine uneheliche Tochter. \u201eIch muss doch meinen Vater lieben, oder?\u201c \u2013 der Titel des Buches k\u00f6nnte nicht besser gew\u00e4hlt sein, denn er macht neugierig, was hoffentlich hilft, Scheu und Skepsis zu \u00fcberwinden. Denn die Lekt\u00fcre verengt sich nicht auf Fragen um Amon G\u00f6th, sondern zeigt die Belastungen durch verdr\u00e4ngte Vergangenheit.<\/p>\n<p>Als Baby wird Monika im Kinderwagen von einem Unbekannten mit einem Messer schwer verletzt. Als Teenager beginnt sie Fragen zu stellen, und st\u00f6\u00dft bei ihrer Mutter stets auf eine Mauer des Schweigens. Erst Anfang der 80er Jahre, als ihre Mutter dem englischen Fernsehen ein Interview gibt, best\u00e4tigen sich Monikas Ahnungen. Am n\u00e4chsten Tag ist ihre Mutter tot, sie hat sich mit Schlaftabletten vergiftet. Monika begann, \u00fcber die Geschichte des Dritten<br \/>\nReichs zu lesen und Informationen \u00fcber Amon G\u00f6th zu suchen. Sie holte das Abitur nach und studiert heute Alt-Hebr\u00e4isch.<\/p>\n<p>Schonungslos sich selbst gegen\u00fcber berichtet Monika G\u00f6th von ihrem Kampf mit der Mutter, von psychischen Problemen, die sie zu Unrecht in die Psychiatrie f\u00fchren, von den Schlingerkursen in ihrer ersten Ehe. Dank Kesslers einf\u00fchlsamen Interview-Experiments werden glaubhafte Emotionen und Erinnerungen offen gelegt.<\/p>\n<p>Matthias Kessler.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Ich mu\u00df doch meinen Vater lieben, oder?<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Die Lebensgeschichte von Monika G\u00f6th, Tochter des KZ-Kommandanten aus &#8222;Schindlers Liste&#8220;.<\/div>\n<div class=\"tippstext\">Eichborn Verlag 2002, 252 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotografien<\/div>\n<div class=\"tippstext\">ISBN 3-8218-3914-7<\/div>\n<div class=\"tippstext\">EUR 19,90<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben der Monika G\u00f6th Von Renate Schauer lieben wollen, obwohl man ihn nie kennen gelernt hat. Noch dazu einen Vater, der unfassbare Verbrechen beging, daf\u00fcr 1946 verurteilt und geh\u00e4ngt wurde. 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