{"id":268,"date":"2017-07-19T12:02:11","date_gmt":"2017-07-19T12:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=268"},"modified":"2019-02-19T12:07:47","modified_gmt":"2019-02-19T12:07:47","slug":"ausgedientes-markiert-nicht-das-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=268","title":{"rendered":"Ausgedientes markiert nicht das Ende"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">Jens Steiner verwebt das M\u00fcll-Sortieren mit der Chance f\u00fcr Erkenntnisse und Ambitionen<\/div>\n<div class=\"tippstext\">\n<p>Von Renate Schauer<\/p>\n<p>W\u00fcrden Sie einen Hoffnungstr\u00e4ger auf einem Recylinghof suchen? Sp\u00e4testens mit dem j\u00fcngsten Roman von Jens Steiner wird klar: Diese Spezies hat nicht zwangsl\u00e4ufig mit Schlips und wei\u00dfem Kragen und lukrativer Karriere zu tun. Abseits imagetr\u00e4chtiger Rennbahnen gibt es auch den leisen, unauff\u00e4lligen Typus, der genau beobachtet und hinter die Dinge schaut, der sich einf\u00fcgt und trotzdem philosophischen \u00dcberlegungen Raum gibt. Zukunftsbezogene Zielstrebigkeit muss nicht sein. Das Leben im Hier und Jetzt bietet genug spannende Gelegenheiten, sowohl Zusammenh\u00e4nge als auch Gegens\u00e4tze sinnstiftend einzuordnen und gegebenenfalls zu lenken. Steiners Roman Mein Leben als Hoffnungstr\u00e4ger generiert Sympathie f\u00fcr die Generation \u201eWei\u00df noch nicht\u201c.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Philipp, das Kind eines \u201eGutmeiners\u201c, der wegen seines Putzfimmels aus seiner WG fliegt, wei\u00df nach seiner abgebrochenen Mechatroniker-Lehre keine neue Richtung einzuschlagen. Seit er Uwe, den Chef des Recyclinghofes, kennt, ergibt fast alles einen Sinn. Uwe zeigt und erkl\u00e4rt ihm alles. In gem\u00e4chlicher Ruhe treffen auch die Kollegen Arturo und Jo\u00e3o, zwei Portugiesen, auf jene Menschen, die bei ihnen abladen, was sie nicht mehr brauchen oder aufbewahren wollen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lassen sich unter der Kundschaft auch immer wieder solche ausmachen, die nicht recht Ma\u00df halten k\u00f6nnen und in Gefahr sind, am \u00dcberfluss zu ersticken: \u201eEs ist die F\u00fclle von Waren, die die Leute besoffen macht.\u201c Doch alle werden unterschiedslos h\u00f6flich und zuvorkommend behandelt, sollen sich wohlf\u00fchlen und bestenfalls das Wesen des Recylinghofs begreifen. Da gibt es sogar Trost und Zuspruch, wenn eine Button-Sammlerin (\u201eDrei\u00dfig Jahre Arbeit\u201c) sich von den Symbolen ihrer Anteilnahme an der Welt, an politischen Bewegungen (\u201eAtomkraft? Nein danke!\u201c) und Moden trennen muss, weil diese dem Ehemann ein Dorn im Auge sind.<\/p>\n<p>Philipp sammelt nichts \u2013 im Gegensatz zu Arturo und Jo\u00e3o, die Diverses abzweigen, um einem kleinen Nebenerwerb zu fr\u00f6nen. Sie weihen ihn ein, doch ihm ist nicht wohl dabei, denn jedes Gesch\u00e4ft strebt nach Wachstum beziehungsweise nach der \u201eWeltherrschaft\u201c. Philipp aber \u201ewill keine Herrschaft\u201c, er \u201ewill im Dunkeln Dickicht der Gegenwart bleiben\u201c. Lieber verkehrt er \u201emit der Amsel und der Bachstelze auf gleichem Fu\u00df, sammle Silberpapiere und lache gemeinsam mit den Dingen \u00fcber die Menschen und ihr Tun\u201c.<\/p>\n<p>Doch wirklich hochtrabende Pl\u00e4ne haben Arturo und Jo\u00e3o auch nicht. Die Grundschwingung erinnert an das Hobellied in dem Wiener Volksst\u00fcck Der Verschwender: Das Schicksal hobelt alle gleich \u2013 davon solle man sich laut Jo\u00e3o aber nicht die Laune verderben lassen. Philipp nimmt das auf und erkl\u00e4rt damit seiner Freundin Mila den Sinn des Lebens. Obwohl alle eingeholt werden vom Gehobeltwerden, fasst Philipp Vertrauen in seine M\u00f6glichkeiten und geht seinen Weg. Er wird sozusagen sein eigener Mentor und Hoffnungstr\u00e4ger. Welch ein Happy End f\u00fcr einen, der nie nennenswerte Ambitionen hegte!<\/p>\n<p>Es ist der vierte Roman Jens Steiners, der 2013 mit Carambole den Schweizer Buchpreis gewann. Schon sein Deb\u00fct Hasenleben fand viel Beachtung und stand auf der Longlist f\u00fcr den Deutschen Buchpreis 2011. Mit Mini-Dosen Humor gelingt es ihm in diesem Roman um die Generation Y, eine Erwartungslosigkeit zu zeichnen, die ungeahnt Spannendes in sich birgt. Dazu di<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"tippstext\">\n<p>enen ihm Perspektiven, die selten so kommuniziert werden, und Begebenheiten, die niemals zu einer Skandalisierung taugen w\u00fcrden. Das alles ist sehr feinsinnig formuliert \u2013 meistens entlang an einer gewissen Leichtf\u00fc\u00dfigkeit, die jedoch jede Oberfl\u00e4chlichkeit aussperrt. Gesellschaftskritik? Sie kann als Nebeneffekt abgeleitet werden aus den unterhaltsamen Geschehnissen, denen der Protagonist Philipp die Erkenntnis zur Seite stellt, dass wir viel zu nachsichtig mit dieser Welt seien.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Jens Steiner: Mein Leben als Hoffnungstr\u00e4ger. Roman.<br \/>\nArche Verlag, Hamburg 2017.<br \/>\n190 Seiten, 18,00 EUR.<br \/>\nISBN-13: 9783716027646<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><a class=\"tipplink\" href=\"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/link14.php\">Zur\u00fcck<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens Steiner verwebt das M\u00fcll-Sortieren mit der Chance f\u00fcr Erkenntnisse und Ambitionen Von Renate Schauer W\u00fcrden Sie einen Hoffnungstr\u00e4ger auf einem Recylinghof suchen? 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