{"id":178,"date":"2018-09-02T23:21:35","date_gmt":"2018-09-02T23:21:35","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=178"},"modified":"2019-02-19T09:10:10","modified_gmt":"2019-02-19T09:10:10","slug":"unverbruechlich-ist-nur-die-liebe-zur-oma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=178","title":{"rendered":"Unverbr\u00fcchlich ist nur die Liebe zur Oma"},"content":{"rendered":"<div class=\"buchbox\">\n<div class=\"tippsh2\">In Fanny Wobmanns Roman \u201eAm Meer dieses Licht\u201c sind Nachsp\u00fcren und Aufbruch zentral<\/div>\n<div class=\"tippstext\">\n<p>Von Renate Schauer<\/p>\n<p>Es kann gelegentlich eklig sein mit der Gro\u00dfmama. Auch ist sie in manchen Momenten verwirrt. Doch dass sie von ihrer Enkelin in jeder Verfassung geliebt wird, steht au\u00dfer Frage. Kontrastierend zur hingebungsvollen Begleitung am Krankenbett tritt die Eigenliebe der Ich-Erz\u00e4hlerin Laura ins Rampenlicht. Das eine Leben verl\u00f6scht, w\u00e4hrend das andere erbl\u00fcht, sich vermehrt. So l\u00e4sst sich Fanny Wobmanns zweiter Roman Am Meer dieses Licht grob skizzieren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nKaum sind wir auf dreieinhalb kurzen Seiten der Oma n\u00e4hergekommen, wechselt der Schauplatz und unser Blick wird auf einen nackten J\u00fcngling gelenkt. Seine Schamhaare sind glatt, was die Protagonistin erstaunt. Um Himmels willen \u2013 welchen Spagat mutet uns dieser Roman zu? Zumindest sind die insgesamt 41 Kapitel lobenswert kurz, und die wenigen handelnden Personen leicht zu durchschauen. F\u00fcr einige Episoden entf\u00fchrt uns die Ich-Erz\u00e4hlerin nach England und ans Meer, ihre Heimat ist jedoch La Chaux-de-Fonds im Hochjura der Schweiz, eine bekannte Uhrenstadt nahe der Grenze zu Frankreich.<\/p>\n<p>Dort wurde die Autorin 1984 geboren. Und es dr\u00e4ngt sich die Vermutung auf, dass das Jura-Klima und die Pr\u00e4zision in der Uhrenindustrie pr\u00e4gend f\u00fcr die Reduktion aufs Wesentliche beim Schreiben gewesen sein k\u00f6nnten. Da, wo es n\u00f6tig ist, wird an Details nicht gespart. Zwischendurch h\u00e4lt der Roman angenehme Sprachbilder bereit \u2013 ein Beispiel: \u201eEr hatte diese Art, die W\u00f6rter zu pfl\u00fccken, bevor sie reif sind, und sie dann achtlos in einen bereits vollen Korb zu werfen.\u201c<\/p>\n<p>Sprachliche Poesie und Realit\u00e4tsn\u00e4he sind in dem Roman gleicherma\u00dfen vertreten. Die Schilderungen und Monologe werden dem Alltag von jemandem, der seinem Ende entgegensieht, durchaus gerecht. Dennoch entsteht phasenweise der Eindruck, als w\u00fcrde etwas auf eine Leinwand projiziert, als w\u00fcrde uns etwas vorgef\u00fchrt werden. Und zwar insbesondere Lauras Ich-St\u00e4rke, wenn sie parallel Neues in der Liebe ausprobiert. Die Distanz zwischen den beiden Polen \u2013 hier die Oma, dort Lauras eigenes Suchen und Fortkommen \u2013 mag ein legitimer Kunstgriff sein, um Spannung zu erzeugen. Erwartbar war aber \u00fcberwiegend anderes laut Kappentext \u2013 n\u00e4mlich, dass beide Frauen sich \u201eeinander \u00f6ffnen und an die wesentlichen Dinge r\u00fchren\u201c. Dies wird nur zum Teil eingel\u00f6st.<\/p>\n<p>Es ist also eine eigenartige Distanz im Spiel, die eine Sicht von au\u00dfen beg\u00fcnstigt und ihr manchmal zu viel Raum gew\u00e4hrt. Dieser Teil der Erz\u00e4hlung h\u00e4tte knapper ausfallen d\u00fcrfen, zu viele Nebens\u00e4chlichkeiten sollen die Atmosph\u00e4re verdichten und einer gewissen Leichtigkeit Vorschub leisten, die der Roman trotz des Abschieds vom Leben beh\u00e4lt. Doch es ist eine schmale Gratwanderung zwischen der St\u00e4rke und Schw\u00e4che solcher Kunstgriffe. Vor allem in den England-Passagen h\u00e4tten Straffungen gut getan.<\/p>\n<p>Die Passagen, in denen eine Verschr\u00e4nkung mit der Gro\u00dfmutter stattfindet, sind die interessantesten. Das Nachsp\u00fcren, wer sie einst gewesen sein mag, ist \u00fcberzeugend gelungen, die N\u00e4he zu ihr ist zuweilen eindringlich dargestellt. Hingegen kann man lange nachdenken \u00fcber die (Zwischen-) \u00dcberschriften, die das Buch in drei Teile gliedern, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Wahrscheinlich sollen hier Sehnsucht und Verlorenheit zum Ausdruck kommen. Beides schwingt in dem Roman mit, Laura wei\u00df noch nicht so recht, wohin mit sich. Wie sie die Welt wahrnimmt \u2013 daf\u00fcr findet die Theaterfrau Fanny Wobmann poetische Sprachbilder, die eine wunderbare Br\u00fccke ins Unfertige schlagen und dennoch glaubw\u00fcrdig sind, sodass man ihnen gerne folgt.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Fanny Wobmann: Am Meer dieses Licht. Roman.<br \/>\n\u00dcbersetzt aus dem Franz\u00f6sischen von Lis K\u00fcnzli.<br \/>\nLimmat Verlag, Z\u00fcrich 2018.<br \/>\n148 Seiten, 24,00 EUR.<br \/>\nISBN-13: 9783857918469<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/2punkt0\/category\/buchtipps\/\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Fanny Wobmanns Roman \u201eAm Meer dieses Licht\u201c sind Nachsp\u00fcren und Aufbruch zentral Von Renate Schauer Es kann gelegentlich eklig sein mit der Gro\u00dfmama. Auch ist sie in manchen Momenten verwirrt. Doch dass sie von ihrer Enkelin in jeder Verfassung geliebt wird, steht au\u00dfer Frage. 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