{"id":1122,"date":"2025-04-02T18:41:02","date_gmt":"2025-04-02T18:41:02","guid":{"rendered":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=1122"},"modified":"2025-04-02T18:49:10","modified_gmt":"2025-04-02T18:49:10","slug":"nach-30-jahren-neu-entflammt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalismus-und-mehr.com\/2punkt0\/?p=1122","title":{"rendered":"Nach 30 Jahren neu entflammt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Michael Kleinherne hinterleuchtet in seinem Roman \u201eLea\u201c eine deutsch-israelische Liebe von 1992<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unverkennbar Lea! Als sie durchs Bild l\u00e4uft, ist Martin wie elektrisiert. Seine Jugendliebe ist mit einer politischen Delegation in seiner Heimatstadt M\u00fcnchen! Zwar hat er sich in den letzten 30 Jahren ein anderes Leben aufgebaut, aber vergessen konnte er sie nie. Zu eindr\u00fccklich waren seine Begegnungen damals \u2013 im Fr\u00fchjahr 1992 \u2013 in Israel, verwoben mit den politischen Verh\u00e4ltnissen dort sowie der deutsch-j\u00fcdischen Geschichte als \u201eBallast\u201c im mentalen Rucksack. Der Roman\u00a0<i>Lea<\/i>\u00a0bewegt sich zwischen Gesellschafts- und Generationenroman, ber\u00fccksichtigt Perspektiven mehrerer Generationen und Konfliktfelder.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"rez\">Unverkennbar Lea! Als sie durchs Bild l\u00e4uft, ist Martin wie elektrisiert. Seine Jugendliebe ist mit einer politischen Delegation in seiner Heimatstadt M\u00fcnchen! Zwar hat er sich in den letzten 30 Jahren ein anderes Leben aufgebaut, aber vergessen konnte er sie nie. Zu eindr\u00fccklich waren seine Begegnungen damals \u2013 im Fr\u00fchjahr 1992 \u2013 in Israel, verwoben mit den politischen Verh\u00e4ltnissen dort sowie der deutsch-j\u00fcdischen Geschichte als \u201eBallast\u201c im mentalen Rucksack. Der Roman\u00a0<i>Lea<\/i>\u00a0bewegt sich zwischen Gesellschafts- und Generationenroman, ber\u00fccksichtigt Perspektiven mehrerer Generationen und Konfliktfelder.<\/p>\n<p class=\"rez\">Der Autor Michael Kleinherne \u2013 Lehrbeauftragter an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Uni Eichst\u00e4tt-Ingolstadt \u2013 hat den Ich-Erz\u00e4hler Martin als Zeitungsredakteur angelegt, so dass die Sozialisation im Journalismus immer wieder sprachlich durchscheint. Der sachliche Ton tr\u00e4gt zur Glaubw\u00fcrdigkeit des Protagonisten bei, der sich gleichwohl als Tr\u00e4umer immer wieder herausnimmt, einiges nicht zu Ende denken zu wollen. So hat er beispielsweise nie Anstalten gemacht, nach seinem Israel-Urlaub wieder Kontakt zu Lea aufzunehmen, noch seine sp\u00e4ter geschlossene und inzwischen ermattete Ehe mit Anne (\u201eDesinteresse auf beiden Seiten\u201c) zu kl\u00e4ren. Einzig die Liebe zur gemeinsamen Tochter Lara ist klar und unumst\u00f6\u00dflich.<\/p>\n<p class=\"rez\">Das ist der Ausgangspunkt f\u00fcr eine Erz\u00e4hlung, die R\u00fcckblenden mit der Begegnung in der Gegenwart verschr\u00e4nkt. Die Gegenwart spielt 2022; der Roman wurde vor dem aktuellen Gaza-Konflikt und vor dem Massaker der Hamas im Oktober 2023 geschrieben, wie der Autor in mehreren Interviews immer wieder erkl\u00e4rte (unter anderem auxlitera.de, Kulturkanal Ingoldstadt.de).<\/p>\n<p class=\"rez\">Jedenfalls freut sich Lea, als Martin sie vor ihrem Hotel \u00fcberrascht. Vorsichtig tauschen sie sich \u00fcber die aktuellen Lebensumst\u00e4nde aus. Die gegenseitige Anziehungskraft bl\u00fcht wieder auf. Unerheblich bleibt, ob es ein \u201eZur\u00fcck\u201c geben wird, wichtig ist die Bereicherung im Hier und Jetzt. Zu dieser tr\u00e4gt auch ein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau bei. Nicht zuletzt geschieht das vor dem Hintergrund, dass Leas Opa David Spiegel Ausschwitz \u00fcberlebt hat. Martin lernte ihn 1992 kennen. Ihm erz\u00e4hlte der alte Mann Details, die er seiner Familie nie zumuten wollte. Martin erkannte Parallelen: Auch in seiner Familie sprach man nur \u00fcber die Vertreibung aus Schlesien 1945, \u00fcber Anderes schwieg man. \u00a0<\/p>\n<p class=\"rez\">Martin war auf Komplikationen gefasst gewesen; als er damals in Tel Aviv landete, steckte er aus Verlegenheit nach der Fahrt zum Hotel dem Taxifahrer ein viel zu hohes Trinkgeld zu. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass er als Deutscher vornehmlich zu seiner Meinung \u00fcber Gewalt und den Konflikt mit den Arabern und nicht auf den Holocaust angesprochen wird.<\/p>\n<p class=\"rez\">\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"rez\">Mein Blick auf dieses Land hatte sich gewandelt, in nur zwei Wochen hatten Lea und ihre Freunde, aber auch ihr Gro\u00dfvater, meine Vorstellung von Israel ver\u00e4ndert. Ich hatte den Eindruck, dass dieses Land vor allem in der Gegenwart lebte und die Vergangenheit nur noch f\u00fcr wenige eine Rolle spielte, die dar\u00fcber aber auch nicht gerne reden wollten.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p class=\"rez\">Lea und er begreifen sich als \u201eEnkel-Generation\u201c. Sie studiert Politik und Philosophie und nimmt ihn mit zu einer Demo gegen die Siedlungspolitik und sp\u00e4ter auf einen Ausflug nach Ramallah. Heute hat sie ihre einstigen Ansichten l\u00e4ngst hinter sich gelassen und arbeitet inzwischen als Referentin im Wirtschaftsministerium, was zu dem Aufenthalt in M\u00fcnchen f\u00fchrte. Martins Tr\u00e4umen mag sie, zieht aber f\u00fcr sich das Fazit: \u201e\u2026 in Israel kannst du nicht \u00fcberleben, wenn du tr\u00e4umst.\u201c<\/p>\n<p class=\"rez\">Obwohl Politik und Geschichte in die Beziehung verwoben bleiben, kann man nicht von einem politischen Roman sprechen. Wir erleben Martin in seinem Alltag, der sich mit seinen Erinnerungen auseinandersetzt, seine Gegenwart reflektiert und behutsam die eigene Entwicklung auslotet. Das Buch bietet den Leserinnen und Lesern sehr gute Leitplanken, um mit den einzelnen Szenarien zurecht zu kommen. Es vermittelt Respekt und Nachdenklichkeit jenseits von Ideologien oder irgendwelchen L\u00f6sungsans\u00e4tzen. Die klare Sprache erm\u00f6glicht ein gef\u00e4lliges Lesevergn\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Kleinherne: Lea.<br>Kulturmaschinen Verlag, Berlin 2024.<br>212 Seiten , 26,00 EUR.<br>ISBN-13: 9783967632989<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Kleinherne hinterleuchtet in seinem Roman \u201eLea\u201c eine deutsch-israelische Liebe von 1992 Unverkennbar Lea! Als sie durchs Bild l\u00e4uft, ist Martin wie elektrisiert. Seine Jugendliebe ist mit einer politischen Delegation in seiner Heimatstadt M\u00fcnchen! Zwar hat er sich in den letzten 30 Jahren ein anderes Leben aufgebaut, aber vergessen konnte er sie nie. 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